Der Klimawandel betrifft STIHL in mehrfacher Hinsicht: durch steigende regulatorische Anforderungen, durch den Energiebedarf der Produktion und vor allem durch die Nutzung der Produkte. Gleichzeitig verändert sich die Nachfrage – insbesondere hin zu emissionsärmeren und akkubetriebenen Geräten. Der Umgang mit dem Klimawandel ist deshalb eng mit der technologischen Weiterentwicklung, der Wettbewerbsfähigkeit und der langfristigen Ausrichtung von STIHL verbunden.
STIHL verfolgt das Ziel, den Verbrauch fossiler Energien bis 2030 um 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2019 zu senken. Dazu arbeitet STIHL weiter daran, die Energieversorgung umzustellen und Produktionsprozesse zu elektrifizieren, führt Energiemesssysteme ein und steigert die Energieeffizienz. Von gruppenweit insgesamt 514.399 Megawattstunden (MWh) Energieverbrauch entfielen im Berichtsjahr 61 Prozent auf erneuerbare Quellen. Alle Werke der weltweiten Produktionsgesellschaften – mit Ausnahme eines Standorts – bezogen elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen. Die Umstellung des verbleibenden Standortes soll im Jahr 2026 erfolgen.
Gasversorgung in Brasilien umgestellt
STIHL Brasilien ist im Oktober 2025 ein großer Schritt zur Dekarbonisierung der Energieversorgung gelungen: Seitdem wird der Standort in São Leopoldo nicht mehr mit Erdgas versorgt, sondern erhält von einem lokalen Energieunternehmen Biomethan. Durch die Umstellung kann STIHL Brasilien die Emissionen um 4.000 t CO2e pro Jahr mindern – und wird als erste STIHL Gesellschaft das Reduktionsziel für den fossilen Energieverbrauch (–40 Prozent 2030 gegenüber 2019) nicht nur erreichen, sondern voraussichtlich übererfüllen. Biomethan ist ein erneuerbarer Energieträger, der aus organischen Abfällen zum Beispiel in Mülldeponien entsteht.
Auch der Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen an STIHL Standorten ist 2025 weiter vorangeschritten: Mit 11.148 MWh Jahresproduktion hat STIHL rund drei Prozent des Gesamtstromverbrauchs selbst erzeugt. Unterm Strich lag der fossile Energieverbrauch von STIHL in Scope 1 um acht Prozent unter dem Referenzjahr 2019.
Abwärme von nebenan genutzt
Nachhaltige Nachbarschaftshilfe: Das STIHL Magnesium-Druckgusswerk in Weinsheim nutzt seit dem Berichtsjahr einen Teil der Abwärme eines benachbarten Türenherstellers. Wärme aus der Verfeuerung von Abfallholz gelangt nun per Leitung zu STIHL anstatt über Kühltürme in die Atmosphäre. Das Werk in Weinsheim beheizt damit Gebäude sowie eine Vorbehandlungsanlage für die Pulverbeschichtung. Es spart so pro Jahr rund 2,2 Millionen kWh Erdgas und mindert seine CO2-Emissionen um 4.500 t.
Im Oktober 2025 hat die Science Based Targets initiative (SBTi) die Klimaziele von STIHL unabhängig wissenschaftlich bestätigt: STIHL verpflichtet sich, die absoluten Treibhausgasemissionen der Scopes 1 und 2 bis 2034 um 68 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2021 zu reduzieren. Zusätzlich sollen die Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3) bis 2034 um 35 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2022 sinken. Zur Erreichung der Ziele in Scope 1 und 2 sind konkrete Maßnahmen zur Emissionsminderung geplant. Auch für Scope 3 bestehen SBTi-konforme Reduktionspfade, die für alle relevanten Geschäftsbereiche entlang der Wertschöpfungskette bindend sind.
Im Berichtsjahr betrugen die Treibhausgasemissionen von STIHL 40.087 t CO2e in Scope 1, 17.107 t CO2e in Scope 2 (marktbezogen) sowie 7.620.165 t CO2e in den für STIHL relevanten Scope-3-Kategorien.
STIHL hat im Jahr 2025 rund 3,5 Millionen Euro in Energieeffizienz, Elektrifizierung und Energiemonitoring investiert. Diese Investitionen tragen dazu bei, Emissionen dauerhaft zu senken und den Energieeinsatz transparenter zu steuern.
Ein Großteil der marktbasierten Scope 1 und 2 Emissionen im Berichtsjahr 2025 wird im zweiten Quartal 2026 mit bereits eingekauften Emissionsminderungszertifikaten aus Gold-Standard-Klimaschutzprojekten durch Stilllegung der Zertifikate ausgeglichen. Ein weiterer Beitrag zum Klimaschutz sind die Einlagerungen, die aus extern geprüften Wiederaufforstungsprojekten in Uganda und auf Borneo stammen. 2025 hat die STIHL Gruppe durch Aufforstungs- und agroforstwirtschaftliche Projekte in Kooperation mit Fairventures und TREEO insgesamt 5.667 t CO2e dauerhaft in Biomasse gebunden. STIHL wird diese Partnerschaft langfristig weiterführen.
Aufforstung in Rumänien
STIHL Rumänien hat sich im November 2025 an einer großen Wiederaufforstungsaktion beteiligt: Über mehrere Tage wurden dabei auf insgesamt sechs Hektar degradierter Fläche 30.000 Setzlinge standortgerechter Baumarten wie Akazie, Weide und Weißpappel gepflanzt. 1.500 davon sollen zu einem „STIHL Wald“ heranwachsen. Die jungen Bäume stabilisieren den Boden, beugen Erosion vor und tragen zur Wiederherstellung des natürlichen Gleichgewichts im südwestrumänischen Kreis Braila bei. Der entstehende Wald wird in den kommenden drei Jahren sorgfältig überwacht, damit das gesunde Wachstum der Setzlinge sichergestellt wird. Die Pflanzung ist Teil einer langfristigen Partnerschaft zwischen STIHL und einer landesweiten Aufforstungsinitiative.
Der weitaus größte Teil der STIHL Treibhausgasemissionen entsteht in der Nutzungsphase der Produkte. Deshalb verfolgt STIHL das strategische Ziel, dass bis 2035 mindestens 80 Prozent der neu verkauften Geräte akkubetrieben sind. Dazu hat STIHL 2025 den Ausbau seines Akkuproduktportfolios weiter vorangetrieben: Neue Fertigungskapazitäten sind in Betrieb gegangen, und insbesondere für professionelle Anwendungen sind weitere Akku-Geräte auf den Markt gekommen.
Parallel dazu arbeitet STIHL daran, bestehende Technologien weiter zu verbessern. Dazu gehören effizientere Motoren, alternative Kraftstoffe und Materialien mit geringerer Klimawirkung.
Als Hersteller technischer Produkte verwendet STIHL Chemikalien, deren Einsatz Umwelt und Gesundheit beeinflussen kann. Anforderungen an Produktsicherheit, Stoffverbote und Materialtransparenz steigen weltweit und wirken sich direkt auf Entwicklung, Produktion und Lieferkette aus. Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Stoffen ist daher Voraussetzung für regulatorische Konformität und Marktzugang.
STIHL verfolgt Maßnahmen, um besonders besorgniserregende Stoffe (Substances of Very High Concern, SVHC) in Produkten und Produktionsprozessen schrittweise zu ersetzen oder zu reduzieren. Um die Daten- und Entscheidungsgrundlage für Maßnahmen und Ziele in der Produktion weiter zu verbessern, arbeitet STIHL derzeit an einem harmonisierten System für das Gefahrstoffmanagement. Es soll die Erfassung, Klassifizierung und Berichterstattung von SVHC gemäß der EU-Chemikalienverordnung REACH entlang der gesamten Wertschöpfungskette umfassen. Dazu gehören insbesondere die Integration detaillierterer Lieferantendaten sowie die Schulung der relevanten Fachbereiche.
Im Jahr 2025 hat STIHL zusätzlich einen Aktionsplan zur Substitution von SVHC in der Produktion verabschiedet. Alle relevanten Stoffe wurden erfasst, bewertet und nach Priorität für eine schrittweise Substitution eingeordnet. Eine dazu entwickelte Gefahrstoffkennzahl wird derzeit in einigen Produktionsbereichen pilotiert.
Auch in der Zusammenarbeit mit Lieferanten hat STIHL klare Anforderungen formuliert. Eine verbindliche sogenannte Werksnorm regelt den Einsatz kritischer Stoffe und geht für einige Stoffgruppen über gesetzliche Vorgaben hinaus. Lieferanten sind verpflichtet, entsprechende Informationen bereitzustellen und festgelegte Anforderungen einzuhalten.
Diese Maßnahmen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und den Einsatz potenziell kritischer Stoffe entlang der Wertschöpfungskette schrittweise zu reduzieren. STIHL verfolgt das Ziel, SVHC nicht mehr in Produkten einzusetzen, soweit dies technisch möglich ist.
STIHL Produkte werden in der Natur eingesetzt. Intakte Ökosysteme und der Schutz biologischer Vielfalt sind deshalb aufs engste mit der Produktverantwortung und dem Fortbestand des STIHL Geschäftsmodells verbunden.
Im Jahr 2025 hat STIHL wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, Biodiversitätsaspekte intern künftig systematischer zu berücksichtigen: Ein neuer Leitfaden unterstützt die Standorte weltweit dabei, Auswirkungen ihrer Produktionstätigkeit auf Ökosysteme besser zu erkennen und geeignete Maßnahmen abzuleiten.
In diesem Zusammenhang hat STIHL mit dem Aufbau eines zentralen Systems zur Erfassung und Bewertung der eigenen Flächen begonnen. Es schafft eine einheitliche Datengrundlage und hilft, lokale Ökosystem-Zusammenhänge besser zu verstehen und Vorhaben gezielter zu planen.
Extern kommt es STIHL beim Thema biologische Vielfalt und Ökosysteme vor allem darauf an, dass Kunden die STIHL Geräte verantwortungsvoll einsetzen. Deshalb hat STIHL im Berichtsjahr die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und öffentlichen Partnern fortgeführt sowie Schulungs- und Informationsangebote für den eigenen Vertrieb, die Kundschaft und die breite Bevölkerung weiterentwickelt.
Die Erwartungen an verantwortungsvolle Ressourcennutzung sowie langlebige, reparierbare und kreislauffähige Produkte steigen kontinuierlich. Ein effizienter Umgang mit Ressourcen senkt daher Umweltauswirkungen, stärkt die Versorgungssicherheit und unterstützt die langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
STIHL richtet seine Produktentwicklung und Materialnutzung an den sogenannten 5 R aus: den Prinzipien Reduce (Reduzieren), Reuse (Wiederverwenden), Repair (Reparieren), Refurbish (Aufbereiten) und Recycle (Wiederverwerten). Ziel ist es, den Einsatz von Rohstoffen zu verringern, Produkte möglichst lange nutzbar zu halten und Materialien am Ende ihres Lebenszyklus wieder in den Kreislauf zurückzuführen.
Zur Erhöhung des Sekundärrohstoffanteils in STIHL Geräten liefen im Berichtsjahr zwei Projekte, die einerseits das Vorhaben grundlegend bewerten und andererseits die Datenbasis hierfür verbessern sollen.
Zudem hat STIHL daran gearbeitet, Materialeinsatz und Verpackungen weiter zu optimieren. Neue Verpackungslösungen mit weniger Material, mit dem Verzicht auf Kunststoff sowie mit Material aus Rezyklaten wurden erprobt und teils in die Serienproduktion überführt. Damit bereitet sich STIHL auch auf das Inkrafttreten der EU-Verpackungsverordnung 2026 vor.
STIHL hat sich im Berichtsjahr weiter in Initiativen wie der Responsible Minerals Initiative und Cobalt for Development engagiert. Cobalt for Development arbeitet eng mit lokalen Behörden zusammen, um Pilotminen aufzubauen, die internationalen Standards in den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Sicherheit entsprechen. Die Responsible Minerals Initiative setzt ein Auditprogramm ein, das Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken in Schmelzen und Raffinerien systematisch bewertet. Gemeinsam tragen die Initiativen dazu bei, dass die in STIHL Produkten verwendeten Rohstoffe – insbesondere für die Akku-Technologie – zunehmend umweltverträglicher gewonnen und verarbeitet werden.
Dieses Kapitel ist ein Auszug aus der freiwilligen Nachhaltigkeitserklärung, die die STIHL Gruppe erstmals nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt hat.
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