Jonas Araújo
Mitarbeiter im Botanischen Garten von Rio de Janeiro
Wer im Botanischen Garten von Rio de Janeiro den Jugendlichen bei der Arbeit zusieht, erkennt schnell, dass hier mehr wächst als Pflanzen. Im Qualifizierungsprogramm Florescer, das seit 1989 sozial benachteiligte Jugendliche unterstützt, erhalten junge Menschen eine Chance, die ihr Leben verändern kann.
Jonas Araújo blickt über das üppige Grün des Botanischen Gartens. 140 Hektar Fläche umfasst der Park am Fuße des Corcovado. Vor 30 Jahren hätte sich der heute 46-Jährige nicht träumen lassen, einmal eine feste Anstellung und ein stabiles Leben zu haben. Für ihn als Straßenkind ohne Perspektive wurde das Projekt Florescer zu einem Wendepunkt. Er lernte das Gärtnerhandwerk, fand Halt und blieb dem Ort treu.
„Ich sehe heute, wie das Projekt auf außergewöhnliche Weise wächst und vielen jungen Menschen hilft.“
Jonas Araújo Mitarbeiter im Botanischen Garten von Rio de Janeiro
Florescer – portugiesisch für „Aufblühen“ – unterstützt Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren aus einkommensschwachen Gemeinden. Viele von ihnen wachsen in einem Umfeld auf, in dem berufliche Chancen selten sind. Im Rahmen des Programms absolvieren die Jugendlichen eine praxisnahe Ausbildung im Gartenbau mit Schwerpunkt Agrarökologie oder als Verwaltungsassistent. Ergänzend erhalten sie Schulungen, die ihre Lese-, Schreib-, Wissens- und Digitalkompetenzen zu fördern, sowie psychologische Beratung.
Jonas Araújo
Mitarbeiter im Botanischen Garten von Rio de Janeiro
Damit schafft Florescer nicht nur berufliche Qualifikationen, sondern verbessert auch die Lebensbedingungen der jungen Menschen, stärkt ihr Selbstwertgefühl und steigert ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ulisses Carvalho de Souza, Sozialpädagoge und Leiter der Gartenbau-Ausbildung, betont: „Wir bilden hier nicht nur Fachkräfte aus. Wir bilden Bürger aus, Menschen mit Charakter.“
Seit 2015 unterstützt STIHL Brasilien das Projekt finanziell und mit Geräten. Die Förderung umfasst unter anderem Ausbildungsstipendien, Mahlzeiten, Arbeitskleidung, Fahrtkosten und Unterrichtsmaterial. STIHL Geräte wie Motorsägen, Freischneider, Heckenscheren und Blasgeräte kommen auch in der Ausbildung zum Einsatz.
Letícia Araújo de Sampaio ist eine der aktuellen Teilnehmerinnen. Über einen Tipp aus der Nachbarschaft bewarb sich die 15-Jährige im Programm Florescer. „Ich habe mich schon immer für Pflanzen und Tiere interessiert“, erzählt sie. Im Botanischen Garten lernt sie vormittags, wie Grünflächen gepflegt, Pflanzen beschnitten und bewässert werden. Aber auch, wie die fast 500 Kubikmeter Laub und Grünschnitt, die jährlich anfallen, zu wertvollem Kompost verarbeitet werden. Abends besucht sie die Schule in ihrer Heimatgemeinde im Norden von Rio, um ihren Schulabschluss zu machen.
Doch nicht nur fachlich, auch persönlich wächst Letícia über sich hinaus. „Ich war immer sehr schüchtern, hatte Schwierigkeiten, mich zu zeigen oder die Initiative zu ergreifen“, sagt sie. Durch die tägliche Arbeit im Garten und mit dem Florescer-Team hat sie gelernt, ihre Stimme zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Ihr Traum ist es, später Tiermedizin zu studieren – ein Zeichen ihres neu gewonnenen Selbstvertrauens.
„Es ist sehr schön zu sehen, dass die eigenen Anstrengungen wirklich etwas bewirken.“
Letícia Araújo de Sampaio Florescer-Teilnehmerin
Lieblingsgerät
Letícia arbeitet am liebsten mit dem STIHL Blasgerät. Damit lässt sich nicht nur die berühmte Palmenallee schnell vom Laub befreien.
An Letícia zeigt sich, wie breit die Wirkung von Florescer ist: Die Jugendlichen erwerben nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern stärken auch ihre Kommunikation, ihr Selbstvertrauen und ihr Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Viele tragen ihr erlerntes Wissen in ihre Familien und Gemeinden weiter – durch kleine Gemeinschaftsgärten, nachhaltige Haushaltspraktiken oder indem sie ihre Familien finanziell unterstützen.
Am Ende stehen diese zwei Geschichten stellvertretend für viele: Jonas, der vor Jahrzehnten selbst im Programm aufblühte und heute immer noch im Botanischen Garten arbeitet. Und Letícia, die gerade beginnt, ihren Weg zu finden. Sie zeigen, was Florescer ausmacht: Wenn junge Menschen die Chance bekommen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Talente zu entdecken, entsteht etwas, das weit über den Garten hinaus wirkt – eine Perspektive, die ein Leben verändern kann.
Ein besonderer Lernort: Der Botanische Garten
Der Botanische Garten Rio de Janeiro gehört zu den zehn bedeutendsten weltweit. 1808 gegründet, beherbergt er 6.500 Pflanzenarten. Viele dieser Arten sind vom Aussterben bedroht. Die UNESCO hat den Park zum Biosphärenreservat des Atlantischen Regenwaldes ernannt.
30
So warm ist es das ganze Jahr in Rio de Janeiro. Im tropischen Klima gedeiht der Botanische Garten üppig.
6.500
Gedeihen im Botanischen Garten Rio de Janeiro. Viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht.
150
kommen dort vor. Darunter Tukane, Kolibris und Papageien.